Zahnfehlstellungen

Das Kaninchen "Tutsi" war zur Kontrolle hier. Es ist alles in Ordnung.

 

Zahnprobleme gehören zu den häufigsten Vorstellungsgründen von Nagetieren und Kaninchen beim Tierarzt. Sie können durch mehrere Faktoren entstehen.

Ursachen

In erster Linie sind genetische Ursachen, falsche Ernährung sowie Verletzungen und Entzündungen der Mundschleimhaut zu nennen.

Besonders häufig kommen Zahnfehlstellungen bei kurzköpfigen Zwergkaninchen vor. Der kurze Schädel bedingt bei diesen Tieren geringfügige Fehlstellungen einzelner Zähne, die sich aufgrund der im nächsten Abschnitt beschriebenen Mechanismen zu schwerwiegenden Zahnproblemen ausweiten können. Auch bei anderen Tierarten, vorwiegend Chinchillas und Meerschweinchen, spielen genetische Faktoren bei der Entstehung von Zahnfehlstellungen eine Rolle, wenn auch hier andere Ursachen im Vordergrund stehen.

Die Ernährung ist ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung von Zahnproblemen. Vielfach sind die Tierbesitzer nicht zuletzt aufgrund der Werbung der Futtermittelindustrie falsch über die Bedürfnisse ihrer Tiere informiert. Bei vielen herrscht die Meinung vor, dass durch ausreichende Mengen harten Futters ein Zahnüberwachstum vermieden werden kann.

Dies gilt zwar in geringem Maße für die Abnutzung der Nagezähne, ist aber für die Backenzähne ohne Relevanz.

Entscheidend ist nicht die Reibung der Zähne auf dem Futter, sondern die Reibung der Zähne aufeinander beim Kauvorgang. Wichtig ist also, dass nicht nur energiereiches Pellet- oder Körnerfutter verwendet wird, welches in der Regel nur zwischen den Backenzähnen zerquetscht und nicht gemahlen wird, sondern vorwiegend Heu, Gemüse und Grünfutter. Das Körnerfutter sollte als Beifutter, nicht aber als Hauptfutter dienen. Bei einer solchen, der natürlichen Ernährungsweise nahekommenden Fütterung müssen die Tiere eine große Menge Futter pro Tag aufnehmen und somit auch zerkauen, um ihren Energiebedarf zu decken. Die ständig nachwachsenden Zähne werden besser abgenutzt als durch die nur relativ geringen Mengen an Körner- bzw. Pelletfutter, die zur Deckung des Bedarfs notwendig sind. Positiver Nebeneffekt einer solchen Fütterung sind ein deutlich reduziertes Risiko von Verdauungsproblemen sowie die Verhinderung der gerade bei Zwergkaninchen häufig zu beobachtenden Verfettung.

Auch Verletzungen und Entzündungen der Maulschleimhaut sind eine häufige Ursache von Zahnfehlstellungen.

Bei Chinchillas und Meerschweinchen sind in erster Linie viral oder bakteriell bedingte Entzündungen zu beobachten, während beim Kaninchen Verletzungen durch das Einspießen von Fremdkörpern (Splitter, Dornen o.ä.) im Vordergrund stehen. Traumata im Bereich der Zähne selbst, z.B. durch Herunterfallen oder übermäßiges Nagen am Käfiggitter, sind ein Auslöser von Fehlstellung vor allem der Nagezähne.

Eine Besonderheit der Chinchillas ist der Mineralstoffmangel, der durch ungenügende Mineralisation ebenfalls zu Fehlstellungen oder zum Abbrechen von Zähnen führen kann.

Verlauf und Komplikationen

Sowohl Nage- als auch Backenzähne von Kaninchen und den meisten als Heimtiere gehaltenen Nagetierarten zeigen ein ständiges Wachstum. Hieraus resultiert der typische Verlauf einer Zahnproblematik, bei der sich bereits kleine Auslöser nach und nach zu schweren Krankheitszuständen ausweiten können. Fehlstellungen der Backenzähne, durch die sich die Reibeflächen der Zähne des Ober- und Unterkiefers beim Kauvorgang nicht mehr vollständig abdecken, rufen kleine Zahnspitzen und -kanten hervor. Diese werden durch das ständige Nachwachsen der Zähne kontinuierlich größer. Die durch diese Veränderungen entstehende mechanische Behinderung, meist in Verbindung mit der Reizung von Wangenschleimhaut oder Zunge, bedingt einen unphysiologischen Kauvorgang.

Aus der Fehlbelastung der betroffenen Zähne resultiert eine Aufweitung der Zahnfächer, die sich aufgrund der Hebelwirkung zunächst im distalen Bereich bemerkbar macht. Es entstehen kleine Knochenauftreibungen, die besonders am Unterkiefer von außen gut tastbar sind. Durch die Lockerung der Backenzähne drehen sich diese im weiteren Verlauf häufig aus ihrer physiologischen, mehr oder weniger senkrechten Lage in eine flachere Position. Die oberen Zähne wachsen meist nach außen in die Wangenschleimhaut ein, während die unteren Backenzähne im Extremfall durch ein Wachstum nach innen die Zunge in ihrer Beweglichkeit stark einschränken und so das Abschlucken des Futters unmöglich machen können.

In die geweiteten Zahnfächer dringen Bakterien aus der Maulhöhle ein, die zu den sehr oft als Komplikation von Zahnfehlstellungen entstehenden Kieferabszessen führen. Durch die entzündlichen Vorgänge werden Teile des Kieferknochens regelrecht eingeschmolzen. Die betroffenen Zähne fallen nun aus und hinterlassen tiefe Knochenhöhlen, die sich mit Futterresten anfüllen. Diese haben aufgrund von Fäulnisprozessen in Verbindung mit bakteriellen Infektionen selbst unter Antibiotikagabe nur eine sehr schlechte Heilungstendenz.

Neben entzündlichen Veränderungen kommt es durch die reduzierte Nahrungsaufnahme bei vielen Tieren zur Abmagerung. Auch ernsthafte Verdauungsprobleme sind wegen der plötzlichen Änderung der Fressgewohnheiten verbunden mit der selektiven Aufnahme weicher Futterbestandteile nicht selten.

Fragen Sie Ihren Tierarzt, falls bei Ihrem Tier Probleme auftreten.

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