Rein statistisch reisen jährlich ca. 5 % aller deutschen Hunde (ca. 5,2 Millionen) in mediterrane Endemiegebiete, d.h. Länder, in denen diese Krankheiten regelmäßig auftreten. Davon erkranken 0,03 - 0,23 % an je einer der aufgeführten Krankheiten.

Dreimal häufiger treten diese Krankheiten bei Hunden auf, die aus Endemiegebieten nach Deutschland mitgebracht werden (Findlingshunde).

1. Leishmaniose

Die durch Leishmania donovani hervorgerufene Erkrankung tritt vorwiegend in den Mittelmeerländern auf sowie im Pariser Becken und Spanien/ Mexiko. Der einzellige Erreger wird von Sandfliegen der Gattung „Phlebotomus“ übertragen und gelangt beim Saugakt in den Hund. Dort befällt er Leber, Milz, Knochenmark und Lymphknoten.

Die Krankheit beginnt mit Wechselfieber, Abmagerung, Blutarmut und braucht oft Monate bis zum Ausbruch als

- Darmform mit Leber-, Milz- und Lymphknotenschwellung oder
- Hautform mit weißlich-grober Schuppung, besonders an Ohr, Nasenrücken und Ellbogen.

Der Nachweis erfolgt meist als Antikörpertest (Blutuntersuchung). Da eine Behandlung der manifesten Leishmaniose sehr schwierig ist, ist eine Blutuntersuchung 14 Tage vor Reisebeginn sowie eine Kontrolle 4 Wochen nach Reiseende sinnvoll. Gut verträglich und gegen Leishmaniose prophylaktisch wirksam ist Allopurinol, das 2 Wochen vor Reisebeginn bis ca. 2 - 3 Wochen danach gegeben wird.
Sehr sinnvoll sind engmaschige Moskitonetze und Meiden von abendlichen Spaziergängen.
Mit Scalibor (Band oder Shampoo) und Advantix (Ampullen) stehen zwei Mittel gegen Sandfliegen zur Verfügung. Seit 2012 ist eine Schutzimpfung gegen Leishmaniose verfügbar.

2. Babesiose (Hundemalaria)

Besonders Südfrankreich und Mittelmeeranrainerstaaten sind Verbreitungsgebiet von Babesia canis, aber auch Indien, Ägypten und Malaysia und sehr wichtig - Ungarn und Süddeutschland. Hauptüberträger sind Zecken der Gattung „Rhipicephalus sanguineus“ und „Dermacentor“ (Auwaldzecke).

10 - 21 Tage nach Zeckenbiss setzt stets Fieber ein mit Gewichtsverlust, Blutarmut und Gelbsucht. Typisch ist oft die Kakaofärbung des Urins. Je nach Virulenz des Erregerstammes sind plötzliche Todesfälle oder auch chronische Verlaufsformen mit Ödemen, Katarrh und Muskelentzündungen möglich.

Die Diagnose wird durch Erregernachweis im Blutkörperchen oder indirekt als Antikörpertest gestellt.

Eine Behandlung beginnt oft mit einer Bluttransfusion. Ein Impfstoff gegen Babesien ist in Frankreich erhältlich, jedoch bei uns nicht zugelassen.

Interessant ist, dass sich die Zecke Rhipicephalus sanguineus im Freien nicht vermehren kann. Einmal in der Wohnung ist sie jedoch nur äußerst aufwendig zu beseitigen.

Schutzmaßnahmen beinhalten also in erster Linie Zeckenschutzmittel, z.B. Kiltix, ExSpot oder Frontline. Vorbeugend kann auch ein Medikament (Imizol) 1 bis 2 Tage vor Reisebeginn und während des Auslandsaufenthalts gegeben werden, ersetzt aber keine Zeckenprophylaxe.

3. Ehrlichiose

Hauptverbreitungsgebiet des Erregers „Ehrlichia canis“ ist Indien, Pakistan und der afrikanische Mittelmeerraum -ebenso USA (Arizona) und zunehmend Spanien, Türkei, Süditalien, Südfrankreich.

Die Infektion erfolgt durch Zeckenbiss, wiederum der Gattung Rhipicephalus sanguineus. Die Erkrankung beginnt 5 - 20 Tage nach Biss mit starkem Fieber (bis 40 - 42 °C) und weiterhin intervallartigen Fieberschüben (alle 30 - 60 Tage). Es können Hautausschläge, Lymphknotenschwellung, Inappentenz und Durchfälle beobachtet werden. Hauptproblem ist jedoch eine Hemmung des Knochenmarks mit Anämie und Verringerung der Blutplättchen.

Der Erregernachweis erfolgt meist indirekt über Antikörper, die Behandlung mit Antibiotika. Die Prophylaxe besteht in Vermeidung von Zeckenbissen.

Bemerkenswert ist noch, dass nicht selten Ehrlichiose und Babesiose gleichzeitig auftreten.

4. Herzwurmbefall

Ebenfalls durch Stechmücken übertragen werden die Mikrofilarien des Herzwurms (Dirofilaria immitis). Verbreitungsgebiet ist der Mittelmeerraum, USA, Japan, Australien.

Die Mikrofilarien können im Blutausstrich gesehen werden oder serologisch nachgewiesen werden. In der Herzkammer entwickeln sich die Filarien dann zu adulten Würmern, die bis Spaghettigröße erreichen und die Herzarbeit massiv beeinträchtigen. Die klinischen Beschwerden sind also die einer Herzinsuffizienz mit Leistungsschwäche, Mattigkeit und auch Husten.

Eine medikamentelle Prophylaxe erfolgt mit Avermectin, alle 4 Wochen 1x als Spot-on. Man beginnt 4 Wochen vor Reiseantritt und dann alle 4 Wochen bis 4 Wochen nach Reiseende.

Allgemein kann festgehalten werden, dass alle 4 bekannten und gefürchteten „Tropenkrankheiten“ von stechenden und blutsaugenden Insekten übertragen werden. Effektiv sind also:

- Vermeidung von Nachtspaziergängen, da die Stechmücken dämmerungs- und nachtaktiv sind

- Verwendung von Moskitonetzen

- moderne Insektizide mit Repellenteffekt

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